
3. September 2007
Liebe Leserinnen und Leser,
Von verschiedenen Kulturen und Mentalitäten und Sitten
Der heutige Tag begann wie angekündigt früh. Nachdem uns ACDC mit dem anscheinend obligaten „Stairways to hell“ auf die heutige Etappe schickte, war bald klar, dass es heute zur Sache ging. Ein langer Aufstieg zum Kuchjoch auf 2700 m.ü.M. wartete auf uns. Auf den ersten Kilometern haben wir eine ziemlich lebhafte Gruppe um uns und v.a. die Läufer von Havanna bieten Unterhaltung vom Feinsten. Sie schwatzen und lachen und machen Witze. Bald stecken sie alle an und plötzlich habe ich das Gefühl, eigentlich auf einer grossen Schulreise zu sein. Die verschiedenen Kulturen und Mentalitäten kommen je länger desto mehr auf dem Transalpine Run zum Vorschein. Neben mir kommt die Frage „Noa, woas moachen denn heute die Hoaxen?“ – unverkennbar, in welchem Land wir uns noch aufhalten. Die Schulreisegruppe wird langsam zu einer verschworenen Gemeinschaft und man hilft sich, soweit es geht.
Höhenmeter und schwierige Trails und die erste Krise
Kurt und ich liefen wiederum unser Rhythmus. Der Weg war ziemlich alpin und technisch sehr schwierig, aber wir waren gut unterwegs. Den Berg hoch laufen ist mein Ding definitiv. Das geht einfach gut – es geht eigentlich wie von selbst. Wir überholen einige Teams, doch ich weiss auch, dass es wieder runter gehen wird. Und das Bergablaufen ist wiederum nicht meine Lieblingsdisziplin, aber gehört halt dazu. Vor dem Passübergang waren einige Passagen mit Fixseilen zu durchqueren, was uns keine eigentliche Probleme machte, ausser, dass da noch ein paar Touristen mit Rucksack darin hängten.... also Außen rum und mit ein paar Klettergriffen entledigten wir uns diesem Engpass ziemlich chic. Oben ging´s dann eben runter. Und wie – der absolute Hammer. Die Beine beginnen zu schmerzen und insbesondere der Quadrizeps leidet Höllenqualen (da war der Höllenritt also doch!). Ich bekomme langsam auch ziemlichen Hunger, aber beim Bergablaufen ist da keine Chance, etwas zu essen. Die Verpflegungsstation unten im Tal war wohl etwas zu lange und so habe ich einen kleinen Hungerast. Dort esse ein Käsesandwich, Trockenfrüchte und trinke Bouillon. Und weiter geht´s. Dieser Einbruch braucht eine Zeit, bis ich ihn überwunden habe und ich habe meine erste Krise. Nachdem wir die 1000 Höhenmeter runter gerannt sind geht´s nun wieder hinauf – grad noch einmal auf 2600 m.ü.M., weil’s halt so schön war. Beim Bergauflaufen erhole ich mich und ich kann die wunderschöne Bergwelt wieder geniessen. Kurt verpflegt mich hervorragend. Dann warten noch einmal 1200 Höhenmeter „zur Vernichtung“ und zwar gerade hinunter nach Galtür. Und wenn ich schreibe „gerade“, dann war das eigentlich so die Falllienie. Die Beine leiden ein weiteres mal und die Muskulatur beginnt sich zu verkrampfen. Heute war es definitiv der härsteste Tag und im Ziel war ich ziemlich nudelfertig.
Fazit des Tages
Hart und lang war es heute. Insgesamt fast 6 Stunden waren wir unterwegs. Aber es ist auch nicht an anderen spurlos vorbei gegangen: Etliche Teams schieden heute aus und heute Abend, Sie können mir glauben, laufen viele nicht wie Rehlein an der Pasta-Party umher. Ich habe mich wieder einigermassen erholt. Die Beine sind nicht superfrisch, aber ok. Nun hoffe ich auf einen guten Schlaf, denn morgen wartet der Marathon über die Originaldistanz auf uns. Aber er wird uns nach Scuol führen und somit zu mir heim. Zu allem haben sie Schneefall vorausgesagt. Eine weiter Hürde und Energiefresser warten damit also auf uns. Ich freue mich schon auf Nicole, meine Kollegin und Physiotherapeutin, die mir versprochen hat, sich meiner Beine anzunehmen. Ein gutes Team bringt einem über (fast) alle Berge – Kurt und ich haben es heute bewiesen.
Herzlichst,Fränzi und Kurt
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